Always wood...

Herr Vogelmanns wunderbare Trommelgeschichten

He always used wood in the studio

Polar Studio Eigentlich wollten wir im September ein Feature über Bodo Schopf, dem Vorzeigedrummer aus dem Schwabenländle bringen. Leider war Bodo jetzt mit der Michael Schenker Group in USA und England unterwegs, und aufgrund seines mit Live/ Workshop‐ und Studioarbeit prall gefüllten Terminkalenders waren wir beide nicht in der Lage, uns mal für ein Stündchen zu treffen.

Das holen wir aber für eine der nächsten „STICKS"‐ Ausgaben nach. Versprochen! Bodo Schopf ist übrigends im September auf Workshoptour, am 19.9. in Idar Oberstein, bei Musik Matthes, am 20.9. im Drumstudio Bonn, am 27.9. bei Drums Only in Schorndorf und am 28.9. auf den Ludwigsburger Trommeltagen. Aber Herr Vogelmann wäre nicht Herr Vogelmann, wenn er nicht doch eine wunderbare Trommelgeschichte für euch als Ersatz aus dem Hut zaubern könnte.

Ende 2003 flog ich in die Vereinigten Staaten, ich besuchte die "Connecticut Vintage Drum Show", und war von Erik Paiste, bzw. Paiste USA zu einer Drumclinic in Long Island bei New York eingeladen worden, bei der Danny Carey von Tool, und Carl Palmer auf ihren aus wiedereingeschmolzenen Becken gefertigten Paiste "Spirit of 2002"‐ Drumsets spielten. Jeff Ocheltree, seines Zeichens früher als Drumtech für Billy Cobham, John Bonham und andere Grössen unserer Zunft tätig, war auch zugegen, und sprang emsig, mit einem Stimmschlüssel bewaffnet auf der Bühne herum. Jeff gilt als „Schöpfer" der Paiste Customdrums und Snares, es gibt eine DVD über Tuning von ihm, "Attack" bringt eine Signature‐Fellserie, bei der Schlag‐ und Reso aufeinander abgestimmt als Doppelpack den ultimativen 70er-Sound aus den Trommeln locken sollen und demnächst wird es eine "Ocheltree Starlite" Acrylsnare, mit einem halben Zoll dicken Kessel, und Offset Lugs auf dem Markt geben. Alles in Allem war dieser Workshop eine beeindruckende Veranstaltung, der Club war mit ca. 400 Leuten, die meisten unter dreissig, und durch T‐shirts kenntlich gemachte "Tool"‐ Fans prall gefüllt.

Beeindruckend für mich, denn ich habe schon Clinics organisiert, bei denen für wirklich gute Drummer gerade mal 38 Leute in den gemieteten Club kamen. Danny Carey spielte als erster, und nach seiner Performance standen 70% der Zuschauer auf, und wollten gehen, da trug Carl Palmer seine Snare auf einem Ständer zum Bühnenrand, und sagte ins Mikrofon: "Well, let´s play a bit on the snaredrum...!" Das Feuerwerk, was er anschliessend auf der einen Trommel ablieferte war atemberaubend, ich habe ihn noch nie so gut Snare spielen hören, das waren 150%, und alle Tooljünger drehten sich um und nahmen wieder brav Platz, um des Meisters Darbietung zu lauschen.

Nach der Veranstaltung hatte ich dann Gelegenheit, mit Danny, Carl und Jeff Ocheltree ein paar Drinks zu nehmen, und mich ausgiebig mit ihnen zu unterhalten. Als erstes möchte ich sagen, dass Jeff gute Sachen macht, und wirklich für einige der ganz Grossen gearbeitet hat, aber er war nicht DER Drumtech von John Bonham. Bonzo sah Ocheltree bei einem Konzert von Billy Cobham, im Crystal Palace in London. Die Tatsache, dass Billy einen Helfer hatte, der ausschliesslich für's Schlagzeug zuständig war, beeindruckte ihn. In den 60er und 70er Jahren gab es keine "Tech´s", die wie heute nur dafür sorgen, dass ein Instrument der Band in Ordnung und für den Künstler absolut "ready to perform" ist. Es gab Roadies, und "Assistenten" der Band, die sich vom Kabelschleppen auf der Bühne, fahren der Trucks bis zum Besorgen von Getränken und Groupies für die Hotelzimmer um alle Belange der Musiker kümmerten. Der Name von Herrn Bonham´s Assistenten war Mick Hinton. Richard Cole, der langjährige Tourmanager der Band beschreibt Mick als gutmütigen Cockney, der wohl eher Saufkumpan und Kumpel für Bonzo war.

Auf der 75er USA‐Tour sollte Mick sich auf der Bühne auch genauso kleiden wie sein Chef, er musste einen weissen Overall tragen und einen Bowlerhat (Melone) aufsetzen. Hinton hatte laut Cole auch immer auf langen Flügen ein zweites Paar Hosen und Unterwäsche für seinen Arbeitgeber im Handgepäck. John Bonham hatte wahnsinnige Flugangst, und trank deswegen vorher und im Flugzeug gewaltige Mengen Alkohol. Danach soll ihm im Schlaf das eine oder andere Missgeschick passiert sein. Egal, er war auch nur ein Mensch, und zudem einer der besten Rockdrummer der Welt.

Led Zeppelin war Mitte der 70er die erfolgreichste Rockband des Planeten, und Bonzo wollte auch einen Fachmann haben, der nur für sein Drumkit und seinen Sound auf der Bühne verantwortlich war. So erhielt Jeff Ocheltree einen Anruf von Peter Grant, dem mächtigen Manager der Band, ob er sich für die anstehende US‐Tour 77 interessieren würde. Selbstverständlich griff er zu, ihm gefiel Bonham´s Spiel und Sound, obwohl er bis jetzt nur mit Jazz‐, oder Fusiondrummern zusammengearbeitet hatte, denen übrigends auch sehr gut gefiel , wie John Bonham trommelte. (Die in vielen deutschen Schubladenschädeln vorherrschende Meinung, ein Jazzdrummer kann sich von einem Rockdrummer nichts abschauen, oder andersherum, gilt bei guten Musikanten scheinbar nicht. Aber das ist eine andere Geschichte....)

Jeff OcheltreeJeff Ocheltree´s erster Gig mit Led Zep war am 1. April 1977, in Dallas, Texas. Sein letzter am 24. Juli 1977, in Oakland, Kalifornien. Zwei Tage später sollte die Band in New Orleans spielen, da erreichte Sänger Robert Plant ein Anruf, dass sein Sohn Karac auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben war. Die restlichen Dates wurden abgesagt, und Robert flog sofort nach Hause. Die einzigen, die ihn begleiteten, und an der Beerdigung teilnahmen, waren Tourmanager Cole und John Bonham. Jeff Ocheltree war also 4 Monate mit Zeppelin unterwegs.

Trotzdem finde ich es legitim, dass er mit dem Prädikat "Bonham´s drumtech" Werbung in eigener Sache macht, der Mann hat doch viel für die Szene geleistet. Eine Sache, die der gute Jeff allerdings steif und fest behauptet, möchte ich doch jetzt hier widerlegen: er sagte direkt zu mir in New York, in verschiedenen Drumzeitungen und auch auf seiner DVD, dass Bonham im Studio nie Acryl‐ oder Edelstahldrums benutzt habe. Nicht einmal ausprobiert. Seit einiger Zeit kursieren im Internet einige Drumtracks von Bonzo, isolierte Schlagzeugspuren, die von den Sessions zur Aufnahme der letzten Studio‐LP, "In through the out door" stammen. Da ich in meinem Leben schon einige Ludwigkits gehört habe, ordnete ich den Klangcharakter dieser Schlagzeugspuren immer einem "Stainless Steel"‐ Edelstahlset zu. "No, no, no, he always recorded with wood !", sagt Herr Ocheltree.

Auf diesen Seiten seht ihr Fotos vom Drum‐ Aufnahmeraum des "Polar Studio" im schwedischen Stockholm. Das "Polar", das dem erfolgreichen Popquartett "ABBA" gehörte, lief Ende der 70er dem "Musicland"‐ Studio, das sich im Keller des Münchner Arabellahotels befand, den Rang ab, das beste Studio auf dem europäischen Kontinent zu sein. Auf dem anderen Bild, von der Wall of Fame im Polar, seht ihr unter dem "In through the outdoor"‐ Cover die Drumsticks von Genesisdrummer Phil Collins.

Die Scorpions nahmen das "Love at the first sting" Album dort auf, mit Bobby Rondinelli am Schlagwerk: "One oft he best sounding recording rooms!". Die grössten Bands rissen sich darum, in dieser Location aufnehmen zu können.Das Studio gibt es leider heute nicht mehr, das Gebäude wird heute als Fitnesscenter genutzt, nur eine Fotodokumentation mit viel Memorabilia der Künstler, die dort arbeiteten ist übriggeblieben. (Wenigstens das!!!) Und wenn ich mich nicht irre, steht ein prunkvolles Ludwig Stainless Steel, mit Mikrofonen dran, hinter den Pauken auf dem schönen Perserteppich?!?

Wer sich für die Bonhamtracks interessiert, findet sie im Netz.

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