Vor lauter "Bubinga" haben leider viele von uns eine kleine Sensation übersehen. Die altehrwürdige Firma LUDWIG hat in Zusammenarbeit mit Ron Dunnett das legendäre Edelstahlset des Led Zeppelin Drummers John Bonham, in streng limitierter Auflage von nur 100 Sets wieder aufgelegt. Die "Stainless Steel"-Serie tauchte erstmals im Katalog von 1976 auf, auf dem Cover waren 3 Bassdrums abgebildet, ein klassischer Holzkessel, ein "Vistalite"-Acrylkessel und eine aus Edelstahl. Bill Ludwig sprach damals von seiner "Triad defense", einer "Dreifachverteidigung". Er wollte sich mit der Vielfalt seiner Kesselmaterialien gegen die japanische Invasion des US-Marktes wehren, und aufzeigen, wie innovativ seine Firma im Gegensatz zur fernöstlichen Konkurrenz war.
Wenn man sich heutzutage Kataloge der Japaner aus den 60er und 70er Jahren anschaut, bemerkt man, wie dreist die Jungs damals von Ludwig, Rogers, Gretsch und Slingerland kopiert haben, und wie viel Onkel Ludwig wirklich erfunden hat.
Es gab natürlich früher auch andere Firmen, die mit diesem Werkstoff im Trommelbau arbeiteten, in Deutschland vielverbreitet waren zum Beispiel die Sets des französischen Herstellers Asba. Wesentlich günstiger als die amerikanischen Produkte zu erwerben, waren sie dennoch etwas einfacher gearbeitet, so war bei Asba der Kessel nur ein überlappend punktgeschweisster Zylinder, und die Fellauflage war eine Gummidichtlippe. Dennoch verkaufte sich das Zeug aus unserem Nachbarland recht gut in Europa.
Wesentlich spektakulärer war das selbstkonstruierte Edelstahlset unseres Freundes Carl Palmer, der in den 60er mit Metallkesseln wie Timbales experimentierte, unten ein Resofell montierte, und den Metall- "Tom"- sound einfach mochte. Carl, als damaliger Ludwigendorser, schlug scheinbar damals Bill II vor, ein Stahlset zu machen, aber der wollte nicht so richtig, obwohl wir wissen, dass es bereits in den 60ern ein Prototypenschlagzeug mit Aluminiumkesseln bei Ludwig gab. Kurzum startete er sein Projekt, in das acht (8!) britische Metallbaufirmen involviert waren. "Der erste Fehler, den ich machte", lacht Carl heute, "war, als ich mir die Angebote für den Stahl einholte, stellte sich heraus, dass 1/8 el Zoll (ca. 3,2 mm) und 1/16 Zoll (ca. 1,6 mm) Kesselmaterial den gleichen Preis hatten. Wie ein Vollidiot schrie ich gleich, looos wir nehmen das fettere, fangt sofort an zu bauen! Am Ende hatte die Bassdrum vier Handgriffe, und man musste sie zu zweit tragen." Diese Problem begleitete den guten Karle bis ins neue Jahrtausend. 2003 war ich als Gast der Firma Paiste bei einer Drumclinic in Long Island, wo Carl und Danny Carey von Tool auftraten. Beide hatten das von Jeff Ocheltree gebaute Glockenbronzeset aus wiedereingeschmolzenen Becken auf der Bühne. Ich sass direkt davor, und dem Palmerskarle seine Kiste klang deutlich besser als Carey´s set. Nach der Show fragte ich Jeff, warum das so währe, da ging er sofort an die Decke: "Carl, this stupid Brit, he wanted me to thin out the shells again,.....". Ocheltree musste Carl´s Kessel noch mal in die riesige Drehmaschine spannen, und dünner drehen! Aber das ist eine andere Geschichte....
Kommen wir zurück zu Carl´s exotischem Gerät aus den 70ern. "Ich hatte 6, 8, 10 und 12er Concert Toms und 13x13, 14x 14, 15x15, 16x16 und 18x18 als double headed Toms. Meine Kickdrum war 28x20, als Snaredrum zu diesem Set benutzte ich eine Premier 2000, ich glaube aus Aluminium, oder eine Supraphonic. Die vielen Toms haben mich bei Ronnie Tutt beeindruckt, als ich ihn in USA mit Elvis spielen sah. Das ganze Gerümpel , inklusive aller Becken- und sonstigen Halterungen, sowie der gesamten Mikrofonie waren an einem massiven Racksystem aus gebogenem Rohr befestigt. Als Vorlage dienten mir die alten 20er oder 30er Jahre Premier-Racks, and denen alles dranhing, chinesische Toms, Woodblocks, und die manchmal sogar rollbar waren...grossartig!"
Carls Rack konnte man nicht rollen, dafür war alles fest auf einen runden Riser mit Motoren installiert, sodass er beim Drumsolo im Kreis herumgedreht werden konnte. Die Band "Emerson, Lake and Palmer" war zu dieser Zeit mit 3 Sattelschleppern nur für die Backline unterwegs. Alle Trommeln dieses Gigantoschlagzeugs wurden damals von einem englischen Graveur bearbeitet, der normalerweise Jagdmotive für reiche Lords ins Metall ihrer Jagdwaffen ritzte. "Auf dem 6 Zoll Tom war eine Feldmaus eingraviert, es ging über einen Igel auf dem 12er Tom, bis zum Truthahn und einem Fuchs auf dem 16er und 18er. Die Spannreifen waren alle Gretsch die cast Hoops, aber die rosenförmigen (ei, dei,dei, Carl...) Böckchen waren eine Sonderanfertigung aus Kupfer. Das Kit wurde Ende 74, Anfang 75 fertig, und ich benutzte es live, aber auch im Studio, für "Welcome back my friends" und "Brain salad surgery". Ich spielte die Kiste 3 oder 4 Jahre, aber dann haben mich die vielen kleinen Toms gelangweilt. Ausserdem wollte ich wieder mit 2 Bassdrums spielen, also habe ich es komplett an einen alten Bekannten verkauft." Dieser hatte bestimmt kein Problem damit, den von Carl aufgerufenen horrenden Preis für dieses Einzelstück zu bezahlen, denn es war kein geringerer als Ringo Starr. Er besitzt diese Drumset noch heute.
Immer wenn Led Zeppelin auf Amerikatournee in Chicago spielten, besuchte "Bonzo" Bonham die Ludwigleute, und durfte sich die neuesten Schmankerln aussuchen. Er verliebte sich sofort in den Sound, und natürlich auch die Optik der neuen Blechtrommeln, und bestellte sich sofort eine ordentliche Portion davon. Es wurde auch ein Kinderset für ihn angefertigt, das er Robert Plant, dem Zeppelinsänger,für dessen Sohn schenkte. Bill Ludwig der Dritte beschreibt Bonham übrigends als aüßerst angenehmen Endorser: "Er mäkelte nie ´rum, nahm immer Trommeln originalverpackt aus der Serienfertigung aus dem Karton, drehte dreimal mit dem Stimmschlüssel, klopfte drauf, und sagte dann: "Klasse Material, Bill, los, laß uns ein Bier trinken gehen!"
Das Live Schlagzeug von John Bonham bestand damals aus einer 26x14er Bassdrum, 16x16 und 18x16er Standtoms, und 14x10 bzw. 15x12er Hängetoms. Alles natürlich in doppelt-oder dreifacher Ausführung als Ersatz, sowie diverse Trommeln wie 20x18er Floortoms. Todd Trent, der heutige Künstlerbetreuer bei Ludwig, erzählte mir, dass Bonham unbedingt ein 15er Tom mitnehmen wollte, aber gerade keins mit den regulären "Classic"-Einzelböckchen fertig war. Es gab nur Tenortoms, für Marching Bands, also nahm Bonzo so eins mit, und der Look des Zepsets der letzten Jahre war geboren. Und genau dieses Drumkit haben die mutigen Macher bei Ludwig, Jim Catalano und Todd Trent liebevoll reproduziert. Ich besitze ein Set aus den Siebzigern, und dank Edwin Kas von Fentex auch schon das Erste der Neuauflage, und möchte beide nun einmal für euch vergleichen. Alle Trommeln der Neuauflage haben das "Blue olive"-Badge, auch die im Satz mitgelieferte 14x6,5 "Supraphonic" Alusnare (eine Supra ist nicht aus Stahl!!!), ein nettes Detail, das ich damals bei der Reissue des "Amber Vistalite" Acryl Sets vermisst habe.
Die schwarz lackierten Ahornspannreifen der Bassdrum schmückt wie einst ein "Silver Sparkle"-Folieninlay, und gestimmt wird mit den klassischen "Wasserhahn" T-Rods. Auf der Kick trohnt der fragile Beckenarm, der immer 24 Zoll "Giant Beat" oder "2002"er Paistebecken tragen musste, aber keine Angst, er kann das. Einziger optischer Wermutstropfen ist für mich der Doppeltomhalter mit Kugelgelenk aus der "Rockers" Serie, ein sicherlich funktionelles Teil, aber es passt halt nicht. Todd meinte, die Werkzeuge für den alten Tomhalter existieren nicht mehr, und 100 Reproduktionen hätten den jetzt schon immensen Kostenaufwand gesprengt. Aussehen tut die neue Kiste also schon mal ziemlich so wie in den güldenen siebziger Jahren, aber klingt das Zeug auch ordentlich?
Der grösste Unterschied ist die Kesselkonstruktion. Wie ihr auf den Bildern erkennen könnt, sind die Trommeln der Neuauflage als reine Zylinder gebaut. Ich fragte Todd wie sie das Problem mit den Fellauflagekanten gelöst hatten, seine Antwort "No bearing edges". Es sind also von Ron Dunnett zusammengeschweißte Rohre aus einem sechzehntel Zoll (etwa 1,6 Milimeter) dickem Edelstahlblech, etwas abgerundet, das wars. Die Technik damals war wesentlich aufwändiger, es wurde der obere und untere Rand 45 Grad nach innen gebogen, was gleichzeitig als Bearing Edge und Verstärkungsreifen fungieren sollte, allerdings war das damals verwandte Material nur circa halb so dick, dadurch auch schwieriger zu schweißen. Die Verstärkungsplatte unter der Tomhalterosette, vor 30 Jahren ein Aluminiumblech mit Langlöchern, ist heute aus Holz gefertigt. Die Böckchen der Neuauflage sind unterlegt, und innen mit Kunststoffscheibchen gegen den Kessel isoliert, früher lagen sie direkt am Kessel an, und wurden innen mit Topfscheiben aus Blech verschraubt, wie man sie von Metallsnares kennt. Ludwig baut heute keine Innendämpfer mehr ein, der Stahl ist wie damals nicht magnetisch. Doch nun das wichtigste, der Sound! Ich sage nur, reinsetzen, und sich wohlfühlen, es gelang mir nach wenigen Minuten, nach nur kurzer Stimmschlüsselkurbelei, mit den werksseitig aufgezogenen Fellen einen mächtigen Zeppelinwumms aus dem Outfit herauszuholen. Oben sind es Ludwig "Heavy coated", unten "Medium coated", einfach zu stimmen, funktioniert prächtig.
Auf der Bass habe ich mit einigen Fellen experimentiert, wobei ich die für mich besten Ergebnisse mit vorgedämpften Remo- oder Evans- Schlagfellen, und dem Originalreso erzielt habe. Selbstverständlich mit einer leeren Trommel und einer Speed King Fußmaschine mit Holzklöppel. Mein Lieblingsbassdrumsound mit diesem Fass ist, wenn ich hinten ein altes CS-, und vorne ein lumpiges Ludwig "medium" oder DB 750 aufgespannt habe. Das ist Bonzo pur, aber alle "Tontechniker" und Mischertypen, die unter der Woche als Friseur arbeiten, bekommen wahrscheinlich einen Herzinfarkt und springen sofort mit einem schlechtgeschliffenen schweizer Offiziersmesser auf die Bühne, und wollen ein Loch ins Frontfell schneiden! Unser Freund Bobby Rondinelli kam extra nach seiner Clinic auf den "Ludwigsburger Trommeltagen" noch mal Montag morgens vorbei, und fragte "Man, may i play this Bassdrum again, can i play the set one more time?". Selbstverständlich durfte er das, und so fuhr er als glücklicher Mann nach Freiburg ins Drumhouse und lieferte einen grossartigen Workshop ab, bevor es weiter in die Schweiz ging. Dieses Kit kann halt nur Rock. Große Trommeln sind schwer zu spielen, wenn man es nicht gewohnt ist, das mächtige fünfzehner Tom auf der Bassdrum montiert ist kilometerweit von der Snare entfernt, aber was aus den Blecheimern rauskommt,lässt das Herz eines jeden Rockdrummers höher schlagen, das wusste schon Meister Bonham vor 30 Jahren! Fazit: das neue Ludwig "Stainless Steel Zep Set" ist die beste Replika eines "Rockstarschlagzeugs" die es je gab, und ich werde ab jetzt auch ein "nagelneues" Ludwig spielen. ich behalte nämlich den Prototypen für mich privat. Es steht im Laden, und jeder kann es gerne ausprobieren. Viele Skeptiker meinen erstmal, Blech kann nicht klingen, Plastik sowieso nicht, aber wie alles im Leben ist vieles Geschmackssache, und die meisten verlassen verschwitzt und mit einem strahlenden Gesicht den Testraum. Bonhams Sohn Jason (der auch wieder Ludwig - Endorser ist) hat sich scheinbar auch schon in den USA nach dem Set erkundigt.....!
Nachtrag 2008: Jason spielt das Blechset jetzt, bei den Proben mit Led Zeppelin. Ronn Dunnett hat ihm extra für oben ein 14x10er Tom gebaut, das ist wohl angenehmer als das lange Fuffzehner, ausserdem hat es ja sein Vater bei der 1980 "Over Europe"- Tour auch in diesem Setup gespielt. Zu sehen beim "Drummer Live"- Festival 2008. Für das Edelstahlset wurde bei der Firma Drumplates eine schmucke Schlagzeugunterlage in Chromfinish angefertigt und in ein Studio nach London geliefert, in dem die Herren Page, Jones und Bonham junior fleissig proben. Hoffentlich kann sich der Robert von der Countrysängerin lösen und auch mal zu einer Probe erscheinen!