Sonor
In 2009 wurde ich freundlicherweise von der Firma Sonor zu einer Werksbesichtigung nach Bad Berleburg eingeladen. Ich hatte ein schönes Hotel und ein feines Abendessen, vielen Dank! Auch die Bauernschänke, in der man mit freundlichen Kollegen dem Nikotin frönen und selbstdestillierte Tropfen des Hauses verkosten konnte, trugen zur allgemein guten Stimmung des ersten Besuchstages bei.Ich habe bei diesem Besuch auch sehr viel gelernt, zB: wenn man auf eine Trommel ein Badge mit der Aufschrift: " Made in Germany" machen möchte, müssen 51% zur WERTERSTELLUNG des Produktes in Deutschland erbracht werden.
Hier sehen wir den Rest der Galvanik bei Sonor. Es ist noch ein Bad übrig, in dem Teile für die Bundeswehr- Marchingtrommeln noch im Werk verchromt werden. Wenn man die Galvanik auf den neuesten, den Umweltschutzbestimmungen entsprechenden Stand bringen würde, währen Investitionen von über einer halben Million Euro nötig, sagte mir der Sonor- Mitarbeiter. Da Sonor einer taiwanesischen Investorengruppe gehört, ist es wahrscheinlich einfacher, alle galvanisierten Teile aus Taiwan, bzw. China zu beziehen, denn da kann man wahrscheinlich noch schön alles in die Flüsse kippen. Aber da geht es meiner Lieblingstrommelfirma nicht anders, die allermeisten Firmen beziehen ihre Metallteile heutzutage aus Fernost!
Ständer der 600er Hardwareserie werden von dieser Dame montiert. Was mir auch nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass der Bau von Orff- Instrumenten wesentlich mehr Kapazität bei Sonor einnimmt, als der Trommel-, bzw. Schlagzeugbau. Auf das Orff- Instrumentarium will ich aber hier in dieser kleinen Revue nicht detailliert eingehen, ich bin kein Orff-Typ, obwohl man scheinbar damit gut Geld verdienen kann.
Hier werden Kessel gefertigt, zumindest " Delite"- und " SQ2" Kessel habe ich gesehen. Der Handwerker auf dem Bild hat mich mit seiner Arbeit überzeugt, routiniert und präzise , so stellt man sich einen deutschen Handwerker vor. Der Sonormann, der uns führte, erklärte dass hier alle Kessel bis 26 Zoll aus den Topserien gefertigt würden. Herr Vogelmann stellte fest, dass keine einzige Presse in dem Raum 26 Zoll herstellen kann. Auf die Frage, ob dann der 26 Zoll Kessel für einen SQ2 Kunden aus China, oder wenigstens aus Sindelfingen käme, erhielt er leider keine Antwort.
In der vorbildlichen Lackiererei ist auch noch gute, deutsche Handarbeit zuhause. Eine moderne Farbmischanlage, in der nicht nur die Farben im Katalog, sondern auch, zB. für die SQ2- Serie Sonderfarben, bzw. alle RAL- Farben gemischt werden können, ist wirklich hoher Standard. Und das auch noch so umweltfreundlich wie es geht. Zumindest kann man bei Sonor davon ausgehen, wenn man eine zusätzliche Trommel bestellt, ist die Farbe gleich wie bei den bereits vorhandenen Trommeln. Dieses hätten Besitzer von Premier- Trommeln englischer Fertigung auch oft gerne wahrgehabt.
In der Kantine steht das " Jet Set", das einstmals teuerste Kit der Welt. Ein Prunk in Gold und Edelholz. Wenn ein Kunde das Schlagzeug damals bestellte, wurde er nach Deutschland geflogen, kam zu einer Werksbesichtigung, erhielt ein Schnitzel in besagter Kantine und wurde dann mit seinem Schlagzeug mit Düsentrieb wieder nach Hause gebracht, deswegen " Jet"- Set. Rund 30000 D- Mark war der Spass dann scheinbar doch einigen betuchten Kunden wert. Seltsam, aber so steht es geschrieben.
Man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass das " Made in Germany"- Badge in dieser Zeit absolut zu Recht auf den Trömmelchen prunkte. Damals musste man bestimmt noch nicht ausrechnen , ob die zugekauften Teile 1 Prozent weniger zur Werterstellung des Produkts beitrugen, als die Löhne der Arbeiter, Lagerkosten, etc....! Schade eigentlich, schade auch, dass Sonor in Deutschland auf der jährlichen Frankfurtmesse als deutsche Firma keinen Stand mehr macht. Das finde nicht nur ich schade, auch vielen Kunden gefällt dies nicht, es scheint, dass Sonor doch noch viele Fans hat im eigenen Land???
Danach hat man sich in den 80ern beim Radio Barth in Stuttgart alle zehn Finger abgeschleckt: Sonor Signature, Horst Link Serie in Bubinga, mit 22er Bassdrum, 10/ 12/ 15 Toms, 16er Standtom, mit Doppeltomhalter und einem Becken- Tom- Kombiständer. Ein Musterbeispiel soliden deutschem Schlagzeugbaus.